GHS - Globally Harmonized System

Harmonisiert oder nicht harmonisiert? - Das ist hier die Frage!

Im Jahre 2005 veröffentlichten die Vereinten Nationen die erste Fassung des GHS mit der Absicht, die Beurteilung und Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen und Gemischen weltweit zu vereinheitlichen. Nachdem mittlerweile eine Vielzahl von Ländern GHS zum Teil verbindlich implementiert haben, soll in diesem Artikel „durchleuchtet“ werden, inwiefern eine globale Harmonisierung tatsächlich gelungen ist.

Das GHS-Prinzip

Im Wesentlichen besteht das GHS aus zwei Bausteinen: Zum einen sind Regeln für die Gefahrenbestimmung von Stoffen festgelegt und zum anderen gibt es Vorschriften für eine entsprechende Kennzeichnung von Gefahrstoffen. Grundsätzlich gibt es im GHS 28 verschiedene Gefahrenklassen: 16 physikalische (z.B. Entzündbarkeit), 10 Gesundheits- (z.B. hautreizend) und 3 Umweltgefahrenklassen (z.B. chronische aquatische Toxizität). Die Intensität einer Gefahr wird durch die Gefahrenkategorie zum Ausdruck gebracht. Dabei entspricht die höchste Gefahr stets der Kategorie 1. Mildere Gefahren werden entsprechend durch die Zahlen 2, 3 etc. beschrieben.

Bei der Gefahrenbestimmung unterscheidet man zwischen reinen Stoffen und Gemischen. In der Europäischen Union sorgt REACh dafür, dass mit einigen Ausnahmen (z.B. Polymere, Mindermengen, Biozide u.v.m.) alle Substanzen im Markt vollständig auf ihr Gefährdungspotenzial untersucht werden müssen. Die Gefahreneinstufung von Gemischen basiert schließlich auf der Einstufung der jeweiligen Inhaltsstoffe.

Beispiel „Hautreizung Kategorie 2“: Eine Mischung wird dann als hautreizend Kategorie 2 eigestuft, wenn 10% der Inhaltsstoffe oder mehr als hautreizend Kategorie 2 eingestuft sind. Der Grenzwert von 10% wird als Concentration Limit Value (CLV) bezeichnet.

Neben den Inverkehrbringern, die ihre Gefahrstoffe einstufen und kennzeichnen müssen, können auch Behörden so genannte Legaleinstufungen festlegen, die gesetzlich bindend sind. In der EU werden diese Legaleinstufungen durch das europäische Parlament festgelegt und im Anhang der CLP-Verordnung veröffentlicht. Diese Legaleinstufungen entsprechen Mindesteinstufungen. D.h. ein Inverkehrbringer kann auf Grund vorliegender Daten stets auch schärfere Einstufungen vornehmen.

Nachdem der Stoff eingestuft wurde, erfolgt die entsprechende Kennzeichnung. Zu den Kennzeichnungselementen gehören nach GHS:

  • Gefahrenpiktogrammen (s. Abb.)
  • Signalwort („Achtung“ bzw. „Gefahr“),
  • H-Sätze (Gefahrenbeschreibung)
  • P-Sätze (Schutzmaßnahmen).

Ein Stoff, der als hautreizend Kategorie 2 eingestuft ist, erhält folgende Kennzeichnung:

  • Gefahrenpiktogramm: GHS07
  • Signalwort: Achtung
  • H-Satz: Verursacht Hautreizungen. (H315)
  • P-Satz: z.B. Schutzhandschuhe tragen. (P280)

Die GHS-Varianten

Es gibt nun viele Möglichkeiten, durch die sich das GHS in verschiedenen Ländern/Regionen unterscheiden kann:

  • Implementierungsstatus: In manchen Ländern wurde das GHS verbindlich, in anderen freiwillig oder gar nicht implementiert.
  • GHS-Revisionen: Mittlerweile gibt es die sechste GHS-Revision, wobei die meisten Länder auf dem Stand der dritten, vierten oder fünften Revision befinden. Diese unterschieden sich beispielsweise in der Anwendung und Formulierung der P-Sätze.
  • Gefahrenklassen: Abweichungen von dem GHS-Entwurf der UN findet man zum Beipiel in Kanada und den USA, wo die Verwendung der Umweltgefahrenklassen freiwillig ist. Des Weiteren gibt es in diesen Ländern zusätzliche Gefahrenklassen („Hazards not otherwise classified.“), um Einstufungen aus den ehemaligen nationalen Gefahrstoffsystem zu erhalten.
  • Gefahrenkategorien: Hier gibt es das größte Potential für Unterschiede. Die UN überlassen es den Ländern/Regionen, welche Kategorien implementiert werden. Länder die bereits vor GHS ein etabliertes Einstufungs- und Kennzeichnungssystem besaßen, haben bei der Implementierung des neuen Systems versucht, die Unterschiede möglichst gering zu halten. Andere haben das GHS ohne Abweichung von der UN-Vorlage übernommen. Zum Beispiel existiert die Gefahr „Hautreizung Kategorie 3“ in Ländern wie China oder Mexiko, jedoch nicht in Kanada, der EU, Singapur oder in den USA.
  • Concentration Limit Value: Für die Einstufung der meisten Gefahren gibt es von den UN vorgegebene CLV. Allerdings scheint für folgende Gefahren eine Einigung auf einen fixen CLV nicht möglich gewesen zu sein, sodass die UN erlaubt individuelle schärfere Grenzwerte anzusetzen: Atemwegs- und Hautsensibilisierung, Karzinogenität, Reproduktionstoxizität und spezifische Zielorgantoxizität. Demnach gibt es zum Beispiel Mischungen, die zum einen in China, Kanada und den USA als sensibilisierend eingestuft werden müssen, während sie in der EU oder in Singapur diesbezüglich nicht als gefährlich gekennzeichnet werden.
  • Legaleinstufungen: Hier ist die EU Vorreiter. Schon im Vorgänger-System (DPD) gab es eine gesetzlich bindende Einstufungsliste, welche regelmäßig neue Einträge erhielt. Darüber hinaus gibt es in China, Kanada, Korea und Malaysia entsprechend verbindliche Vorgaben und es ist anzunehmen, dass weitere Länder diesem Konzept folgen werden.
  • Weiteres: In der EU existieren so genannte EUH-Sätze als Ergänzung zu den H-Sätzen des GHS. Zum Beispiel „EUH208 - Enthält einen sensibilisierenden Inhaltsstoff. Kann allergische Reaktionen hervorrufen.“

Diese Punkte beziehen sich nur auf Unterschiede im GHS zur Einstufung und zu den Kennzeichnungselementen. Es gibt Produkte, die aufgrund der erläuterten Unterscheidungs-möglichkeiten in fünf verschiedenen Ländern auch fünf unterschiedliche Kennzeichnungen besitzen. Darüber hinaus gibt es noch viele Unterschiede bei den Inhalten und beim Layout des Sicherheitsdatenblattes einerseits und des Kennzeichnungsetiketts andererseits.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mit dem GHS eine einheitliche „Sprache“ erschaffen wurde. Überall werden dieselben Symbole, dieselben H-Sätze und fast immer dieselben P-Sätze verwendet. Aber insbesondere bei Gemischen kann man sich nicht darauf verlassen, dass mit dieser „Sprache“ auch dasselbe „gesagt“ wird. D.h. ein Produkt, das in der EU kein Gefahrstoff ist, muss nicht notwendigerweise auch in China oder den USA kennzeichnungsfrei sein, oder umgekehrt.

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